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Geschichte Neumarkt-Sankt Veit

Die Geschichte von Neumarkt-Sankt Veit beginnt mit dem Benediktinerkloster St. Veit, das im Jahr 1171 aufgrund einer Stiftung auf dem Vitusberg errichtet wurde. Die Mönche kamen aus Salzburg und wurden durch ein gesundes Wachstum ihres Klosters schnell zur bestimmenden Kraft im oberen Rottal. Der niederbayerische Herzog Heinrich XIII. setzte dem salzburgischen Kloster im August 1269 auf der anderen Seite der Rott einen herzoglichen Markt gegenüber, wollte an seiner wichtigen Straße, die die Residenzstädte Landshut und Burghausen miteinander verband, seine eigene Präsenz unterstreichen. Wie wichtig Herzog Heinrich diesen Markt erachtet hat, mag man daran erkennen, dass er ein herzogliches Pfleggericht im heutigen Schloss Adlstein damit verband und dem Markt mit Woll- und Schweinemärkten, Pflaster- und Straßenzöllen den eigenen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichte.

Die Geschichte des Schlosses Adlstein können Sie auf Wikipedia hier nachlesen.

Das bauliche Konzept Neumarkts, ein zum Rechteck verbreiterter Straßenplatz mit zwei Toren abgeschlossen und kontrolliert, zeigt die Absicht des Herzogs, auch für das Umland einen Mittelpunkt zu schaffen.

 So standen sich am Ende des Mittelalters mit Kloster und Markt zwei unabhängige Kräfte gegenüber, die beide aber eine gesunde Entwicklung gemeinsam hatten. Das Kloster besaß an die 450 Bauerngüter, die Pfarrei Vilsbiburg war ihm einverleibt und der Abt durfte Stab und Mitra tragen. Der neue Markt wurde zum wirtschaftlichen Mittelpunkt, aus den zugezogenen Bauernsöhnen wurden Handwerker, Handelsmänner und wohlhabende Bürger, die ihren Markt selbst regierten, für ihre Kinder einen eigenen Schulmeister bestellten und sich eine eigene Marktkirche auf den Platz stellten.

Bis zum 19. Jahrhundert

Im Pflegschloss Adlstein saß der herzogliche Pfleger, am Ende des Platzes stand der herzogliche Kasten zu dem die Bauern ihren Zins für den Landesherrn zu liefern hatten. Das Kloster baute die größte und schönste Hallenkirche der weiten Umgebung, der Landshuter Bildhauer Hans Leinberger schuf etwa 1515 für Abt Nikolaus Humbler seine Neumarkter Madonna. Die schlimmen Jahre der Geschichte haben Markt und Kloster gemeinsam betroffen. Da ist der Landshuter Erbfolgekrieg, die Wirrnisse der Reformation, der 30-jährige Krieg, der auch noch die Pest brachte, der spanische Erbfolgekrieg von 1705, die Pandurenzeit und all das Unheil, das mit Kaiser Napoleon auch über das Rottal kam.

Die elegante Zwiebelhaube, die Johann Michael Fischer 1765 für die Klosterkirche St. Veit entwarf, wurde zum Sinnbild für den Glanz barocker Kirchenkunst, für Gelehrsamkeit, Musik und Philosophie, für den großen Aufschwung, den das Kloster im 17. und 18. Jahrhundert erlebte.

Zum geistlichen Mittelpunkt gab es eine gesunde profane Entsprechung in ausgedehnten Wäldereien, wogenden Feldern und einem köstlichen Gerstensaft. Die Säkularisation von 1802 hat allem ein Ende gemacht, neue Besitzer konnten St. Veit den alten Glanz nicht wiedergeben und die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche.

Dem Markt brachte das 19. Jahrhundert eine glücklichere Zeit. Das bürgerliche Zeitalter hat seine letzten Jahrzehnte in einer Idylle zugebracht. Brauerei-, Guts- und Realitätenbesitzer bestimmten die Szene. Den Beginn der Neuzeit kann man am Jahr 1875 ablesen. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Mühldorf-Plattling kam die erste Lokomotive nach Neumarkt und mit der Inbetriebnahme der Strecken Neumarkt-Pocking 1879 (bis Passau 1888) und von Neumarkt nach Landshut 1883 stieg Neumarkt zum Eisenbahnknotenpunkt auf. Schon mit dem Bau der Bahn, aber noch mehr mit der Inbetriebnahme, stieg die Einwohnerzahl spürbar. So entstand ein ganz neues Viertel, in dem 1879 das Amtsgericht gebaut wurde, zusammen mit den Bauten, die die jungen Architekten Reißl teils im klassizistischen, teils im Jugendstil erstellten. Die Eisenbahn veränderte viel im Markt, sie sprengte den alten Kern des Marktplatzes, sie unterbrach den alten Kreuzweg nach Teising hinauf, ja man kann sagen, mit diesen Jahren veränderte sich auch die wirtschaftliche Struktur des alten herzoglichen Marktes.

Auch die bauliche Substanz erfuhr eine Veränderung, alte Bürgerhäuser wurden verbaut und modernisiert, die hölzerne Mühle wurde nicht mehr gebraucht und aus dem herzoglichen Kasten von 1495 wurde schließlich ein Kino.

Ab dem 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert hat besonders in seiner zweiten Hälfte erneut tiefgreifende Veränderungen gebracht. Das Bürgertum als gesellschaftsbestimmendes Element musste neuen Kräften weichen. Die beiden Gemeinden St. Veit und Wolfsberg wurden zu einer Gemeinde verschmolzen und wählten im Juni 1920 erstmals einen gemeinsamen Gemeinderat mit Bürgermeister.

Die politischen Umwälzungen nach dem 1. Weltkrieg brachten die Demokratie nach Neumarkt mit Parteien und freien und geheimen Wahlen, an denen sich nun auch Frauen beteiligen durften. Nach der großen Inflation von 1923/24 gab es einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung, die erste öffentliche Wasserversorgung wurde 1928 in Betrieb genommen, neue Vereine wurden gegründet. Der wirtschaftliche Niedergang ab 1930 und die steigende Arbeitslosigkeit führten zum Zusammenbruch der Weimarer Republik. 1933 übernahmen die Nazis auch die Herrschaft in Neumarkt, der amtierende Bürgermeister Peter Hans wurde zum Rücktritt von seinem Amt genötigt und die politischen Gegner aus dem Marktgemeinderat entfernt. Die Gleichschaltung hatte begonnen, viele der Vereine wurden aufgelöst oder von NSDAP-nahen Organisationen übernommen.

1934 wurde die Gemeinde Wolfsberg-St. Veit mit der Marktgemeinde Neumarkt a. Rott zur Gemeinde Neumarkt-Sankt Veit zusammengeschlossen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges veränderte das Leben in der Gemeinde, von Bombenangriffen wie 1945 in Mühldorf a. Inn blieb der Markt jedoch gottlob verschont und mit dem Einmarsch der Amerikaner endete im Mai 1945 auch hier dieses traurige Kapitel der Geschichte. In der Folgezeit hat die Vertreibung und der daraus resultierende Flüchtlingsstrom den alten Markt vor neue Aufgaben gestellt. Die Einwohnerzahl hat sich nahezu verdoppelt, neue Klein- und Mittelbetriebe siedelten sich an, Schulprobleme waren zu lösen, neue Verkehrsverbindungen, Wasser- und Energieversorgung waren große Herausforderungen für die Gemeinde.

Im Jahr 1956 wurde Neumarkt-Sankt Veit vom Bayerischen Innenministerium zur Stadt erhoben und damit als das Zentrum des nördlichen Landkreises Mühldorf a. Inn weiter gestärkt.

Durch die Gebietsreform 1972 wurden die ehemaligen Gemeinden Elsenbach, Feichten, Hörbering und Wiesbach in die Stadt Neumarkt-Sankt Veit eingegliedert. Im Jahr 1978 kam dann noch ein Teil der ehemaligen Gemeinde Thambach zur Stadt Neumarkt-Sankt Veit. Im Landkreis Mühldorf a. Inn ist Neumarkt-Sankt Veit damit die flächenmäßig größte Gemeinde.

Neumarkt-Sankt Veit präsentiert sich heute als attraktive Wohn- und Einkaufsstadt mit vielen interessanten Freizeitmöglichkeiten. Eine Reihe von historisch bedeutsamen Gebäuden wurde durch die Stadt, aber auch durch private Inhaber, originalgetreu restauriert. Neben Angeboten und Einrichtungen für eine Vielzahl von Sportarten wurde anstelle des schon vorher bestehenden Freibades ein komplett neues Erlebnisbad errichtet.

Der Herzogliche Kasten bietet während des ganzen Jahres zahlreiche Ausstellungen und Kulturveranstaltungen sowie eine modernst ausgestattete Bücherei. Das ehemalige Pflegschloss Adlstein wurde vollständig restauriert und ist seit 2001 Rathaus und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt-Sankt Veit.

Gut beschilderte Rad- und Wanderwege ermöglichen ausgedehnte Ausflüge in die landschaftlich wunderschöne Umgebung und zahlreiche Vereine und Verbände bieten für alle Interessensgruppen eine große Anzahl von Aktivitäten.

Angermeier/Jani